Gerüchte in der Hundehaltung
Da ich immer wieder erstaunt bin, welche Gerüchte rund um die Haltung und das
Zusammenleben mit Hunden nach wie vor kursieren, möchte ich gerne an dieser
Stelle mit einigen dieser Gerüchte "aufräumen".
Der ist doch noch so klein, der lernt das schon noch!
Diese oder ähnliche Aussagen höre ich immer wieder. Natürlich darf man keinen
Welpen überfordern und zu viel auf einmal mit ihm üben. Aber der Hund wird auch nicht
eines Tages aufwachen und ist, sozusagen über Nacht und von alleine, ein artiger und
wohlerzogener Hund. Hunde, egal welchen Alters lernen immer! Ob nun aktiv durch den
Menschen oder passiv durch austesten. Auch die Vertreter der Anti-Autoritären-Hundeerziehung
muss ich leider entteuschen! Hunde können mit dieser Art der Erziehung sehr gut leben, denn
sie haben die Oberhand und können tun und lassen was immer sie wollen. Nur hat der
Mensch dann leider keinerlei Einfluss auf seinen Hund mehr. Denn wie der Name schon
sagt, der Hund hat nie gelernt, bestimte Autoritäten anzuerkenen.
Der Spruch:"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!" stimmt so in
der Hundeerziehung nicht. Allerdings lernt ein junger Hund wesentlich gründlicher als
das ein älterer Hund tut. Aus diesem Grund ist es sehr sinnvoll, dem jungem Hund oder
dem "gebrauchten" Hund aus dem Tierheim von Anfang liebevoll aber
konsequent die Grenzen aufzuzeigen.
Mein Hund ist schon vier Jahre alt, der lernt das eh nicht mehr!
Das ist ein Aberglaube! Hunde lernen immer, auch wenn sie ausgewachsen und älter
sind! Hunde lernen dann etwas langsamer und bestimmte Übungen müssen öfter
wiederholt werden, aber das ausgewachsene Hunde nicht mehr erziebar sind ist
nicht richtig.
Mein Hund gehört der Rasse xy an und ist schwer bis gar nicht erziebar!
Diese und ähnliche Erklärungen höre ich immer wieder. Selbst von erfahrenen Hundetrainern
habe ich solche Äu0erungen schon gehört. Diese Aussagen sind schlichtweg falsch und sind einfach nur
Ausreden! Es gibt keine unerziehbaren Hunde. Es gibt selbstbewusste und willensstarke Hunde.
Es gibt auch Hunde, die für ein selbstständige Arbeiten gezüchtet wurden und es gibt Hunde, die sich
bereitwillig dem Menschen unterordnen, während andere den ihnen zugewiesenen
Rang immer wieder in Frage stellen. Das alles gibt es. Aber unerziehbare Hunde
gibt es schlichtweg nicht!!!
Gleichgeschlechtliche Hunde vertragen sich nicht!
Viele Hundehalter glauben leider immer noch, dass sich Hunde des gleichen
Geschlechts nicht vertragen. Das stimmt nicht! Es gibt unter Hunden, wie bei uns
Menschen auch, Sympathien und Antipathien. Es kommt auch vor, dass sich zwei
Hundedamen nicht leiden können oder dass zwei Rüden sich immer wieder böse anknurren.
Das allein ist aber noch kein Grund, dass sich die betreffenden Hunde sofort
angreifen und ernsthaft verletzen. Kann ein Rüde absolut keinen anderen Rüden
in seiner Nähe ertragen, hat er meist in jungen Jahren extrem negative Erfahrungen gemacht
oder der Mensch hat unbewusst dieses Verhalten gefördert. Ich selbst lebe mit insgesamt
vier Hunden zusammen und diese vertragen sich nicht nur untereinander hervorragend.
Sie kommen auch mit ihnen vollkommen fremden Hunden bestens zurecht.
Wir waren mit unseren Lumpi beim Welpelspiel und trotzdem verträgt er sich nicht
mit anderen Hunden!
Für Welpen ist es durchaus wichtig möglichst viel Kontakt zu anderen Hunden zu haben.
Allerdings sollten das nicht nur gleichaltrige Hunde sein. Ein Welpe lernt
den Umgang mit anderen Hunden nicht alleine durch den Besuch einer Welpenspielstunde!
Vielmehr braucht er Kontakt zu Hunden verschiedener Altersstufen, zu Rüden, zu
Hündinen, zu selbstbewussten Hunden und zu schüchternen Hunden. Dieser Kontakt sollte dem
Hund in jedem Alter gewährt werden, denn soziales Verhalten muss trainiert werden.
Ich kann doch nicht so streng mit meinem Hund sein, er liebt mich dann nicht mehr!
Diese Aussage bekomme ich immer wieder zu hören. Gerade Menschen, die zum ersten Mal mit
einem Hund zusammen leben, tun sich oft sehr schwer damit, konsequent mit ihrem
Hund zu sein. Strenge, Härte und Lautstärke sind bei der Erziehung von Hunden absolut
überflüssig und fehl am Platz. Gefragt ist eine souveräne, ruhige aber dennoch
bestimmende Art. Wenn ich meinen Hund zu mir rufen möchte, dann werde ich das tun.
Mein Hund wird dieses Kommando auch zuverlässig ausführen, denn er weiß, dass
es sich lohnt zu folgen und das ich mein Kommando auf jeden Fall durchsetzen werde.
Im alltäglichen Umgang mit dem Hund ergeben sich unzählige Situationen in denen der
Mensch dem Hund ganz klare Verhaltensweisen zeigen muss. Ich als Mensch gehe zuerst
durch die Tür, dann erst mein Hund. Ich esse auch zuerst und füttere meinen Hund
wenn ich fertig bin. Ich bekomme Besuch, nicht mein Hund. Und mir als Rudelführer
steht es durchaus zu, den Hund auf einen bestimmten Platz zu schicken, damit ich mich in Ruhe
mit meinem Besuch unterhalten kann. Wie gesagt, es ist mein Besuch, nicht der des
Hundes! Der Hund wird nicht unbedingt den lautesten und strengsten Menschen als
Führer akzeptieren, sondern den, der ihm mit ruhiger aber konsequenter Art klar
macht, das der Mensch ranghöher ist als der Hund. Um einem Hund das klar zu machen muss
ich ihn weder anschreien, noch umwerfen, noch an der Leine herum reißen noch ihn
mit relativ sinnlosem Machtgehabe klein machen.
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