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Warum überhaupt lernen?

Alle unsere Hunde, egal welche äußere Erscheinungsform sie auch haben mögen, stammen ursprünglich vom Wolf ab. Durch jahrzehntelange gezielte Auswahl und Einkreuzung sind bis heute über dreihundert verschiedene Hunderassen entstanden. Einige davon waren nur dafür bestimmt, ihre Herrchen oder besser gesagt Frauchen zu begleiten. Ihre Hauptaufgabe war es, gut auszusehen. Die allermeisten Hunderassen aber sind für einen ganz bestimmten Zweck gezüchtet worden. So sollten zum Beispiel Schäferhunde den Schäfern beim Hüten ihrer riesigen Herden helfen. Rottweiler halfen bei der Schwarzwildjagd und den Metzgern bei der Viehtreibe. Salukis werden seit jeher als schnelle und präzise Jagdhunde gezüchtet. Der Labrador ist nach wie vor ein hervorragender Wasserjagdhund. Diese Liste könnte ich endlos weiter führen. Fest steht, dass jede Hunderasse für einen speziellen Zweck gezüchtet wurde. Dieses Erbe steckt auch in unseren Familienhunden. Auch wenn die Hälfte der registrierten Hunde Mischlinge sind, so steckt doch das gleiche Erbe in ihnen.


Warum lernen? Damit auch Sie ein so tolles Hund-Mensch-Team wie Stefan und Santi werden.

Die meisten Hunde sind heute zu Familienhunden degradiert worden. Sie werden von der ganzen Familie geliebt und umsorgt. Sie bekommen regelmäßig Futter und haben immer einen trockenen Platz zum Schlafen. Sie dürfen in bestimmten Abständen nach draußen, um ihr Geschäft zu erledigen und sie dürfen, wenn sie Glück haben, auch Freilauf genießen. Da Hunde aber sehr intelligente Tiere sind, die erstaunliche soziale Fähigkeiten haben, ist den meisten Hunden das, was ihnen geboten wird, nicht genug. Sie beginnen sich zu langweilen und kommen dann auf allerlei merkwürdige Ideen. Die meisten Hundehalter, die ich kennen gelernt habe, sind sich nicht bewusst, wie langweilig es ihren Hunden ist. Sie gehen jeden Tag zwei bis drei Stunden mit ihren Hunden spazieren und umsorgen sie auch ansonsten sehr gut. Und trotzdem entstehen immer wieder Probleme bei der Haltung von Hunden. Zum Einen liegt das an der Vermenschlichung von Hunden. Zum Anderen an Unwissenheit. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie leicht man einen Hund aus dem Tierheim holen kann. Das läuft leider oft nach dem Motto ab: reingehen-ansehen-mitnehmen. Oft wissen die neuen Besitzer nicht einmal genau, welcher Rasse ihr Hund angehört oder zu welchen Rassen die Eltern ihres Hundes gehörten. Doch ohne dieses Wissen ist eine artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Berner-Sennen-Rottweiler-Mischling braucht eine andere Beschäftigung als ein Dackel-Pudel-Mischling.

Ein großes Problem ist die Vermenschlichung von Hunden. Ich rede jetzt nicht von der Frage, ob ein Hund auf das Sofa darf oder ob er es nicht darf. Ich rede davon, das viele Hundebesitzer davon aus gehen, das ihr Hund weiß, was von ihm verlangt wird. Wenn ihr Hund noch ein Welpe ist, verzeihen sie eventuelles Fehlverhalten (zum Beispiel Anspringen von Passanten) meistens. Sie gehen davon aus, das ihr Hund schon noch lernt, was er darf oder eben nicht darf. Wenn ihr Hund schon ausgewachsen ist und bestimmte Unarten an den Tag legt, nehmen die meisten Hundehalter ihren Hund in Schutz. Sie entschuldigen das Verhalten ihres Hundes damit, dass er das halt immer tut bzw. schon immer getan hat.


Roter Cocker Spaniel Berry.....das war sein Lieblingsplatz.

Den meisten Hundehaltern ist nicht klar, dass ihr Hund auch dann etwas lernt, wenn er es nicht von seinem Halter beigebracht bekommt. Hunde lernen aus Erfahrungen und Verknüpfungen. Und jeder Hund macht vom ersten Tag an in seinem Zuhause bestimmte Erfahrungen. Er lernt zum Beispiel, dass sein Ziehen an der Leine von seinem Halter toleriert wird. Der Hundehalter findet dieses Ziehen an der Leine meistens nicht so toll, nimmt es aber erstmal hin. Nach einer bestimmten Zeit erledigt sich das Problem mit dem Ziehen leider nicht von alleine und da die meisten Hundehalter nicht wissen, wie sie das Leine-Ziehen ihrem Hund wieder abgewöhnen sollen, zieht der Hund eben weiter an der Leine. Für den Hund heißt das, um bei diesem Beispiel zu bleiben, dass es in Ordnung ist, wenn er an der Leine zieht. Und schon hat der Hund etwas gelernt! Und das ohne dass der Hundehalter es ihm bewusst beigebracht hat!


Auch Bille und Schnauzer-Mix Pepe sind ein harmoisches Hund-Mensch-Team.

Warum aber sollte man Hunden denn nun bewusst etwas beibringen? Straßenhunde oder verwilderte Hunde kommen doch auch ohne eine Hundeschule aus. Der Unterschied zwischen Straßenhunden und Haushunden ist, dass Straßenhunde leider oft nicht sehr alt werden. Entweder werden sie eingefangen und nach einer Frist von zwei bis drei Wochen getötet oder sie bekommen Krankheiten bzw. verletzen sich. An diesen Verletzungen oder Krankheiten sterben sie irgendwann. Außerdem müssen Straßenhunde sich nicht direkt mit Menschen und menschlichen Behausungen arrangieren.

Ein Hund, den wir vom Züchter oder aus dem Tierheim holen, muss nicht auf der Straße als Obdachloser leben. Er hat ein Zuhause inklusive Futter und tierärztlicher Versorgung. Er muss nicht ums Überleben kämpfen - er muss mit unserer Zivilisation kämpfen. Er soll uns brav in Restaurants und Eisdielen begleiten, er soll artig mit uns Bus oder Bahn fahren, er soll vor dem Geschäft ruhig auf uns warten und in der Wohnung einer friedlicher Zeitgenosse sein. Er soll bei Spaziergängen keine Rehe, Radfahrer oder Jogger jagen, er soll in unserer Nähe bleiben, wenn wir ihn von der Leine lassen und er soll ein zuverlässiger Spielkamerad sein. Unsere Familienhunde sind einer großen Anzahl von Herausforderungen ausgesetzt, die sie alle meistern sollen bzw. müssen. Kein Hund kann diese Anforderungen alleine meistern. In seiner Welt gibt es weder Busse noch Bahnen. Es gibt keine Menschenkinder und er lebt, üblicher Weise, nicht in Wohnungen oder Häusern.


So fühlt sich unser ehemaliger Straßenhund Santi nach einer Runde Ball spielen...

Um mit diesen Anforderungen zurecht zu kommen, muss ein Hund eine ganze Menge lernen. Er muss quasi in unsere Welt integriert werden, damit er sich zurechtfinden kann. Er muss lernen, wer sein Rudelführer ist. Er muss lernen, was dieser Rudelführer von ihm erwartet und wie er sich in den verschiedensten Situationen verhalten soll. Für einen Hund ist es normal, einem Reh oder Hasen hinter her zu rennen. Er muss erst lernen, dass er eben nicht jagen gehen soll. Hunde sind erstaunlich anpassungsfähige Tiere, die sich bei entsprechender Anleitung sehr schnell integrieren. Sie sind aber auch sehr intelligent und merken schnell, wenn ihr Halter unsicher ist oder sich nicht behaupten kann. Und da Hunde nun mal in einer Hierarchie leben, haben sie immer das Bestreben, möglichst weit oben in dieser Hierarchie zu stehen. Um Probleme zu vermeiden, müssen Hundehalter ihre Hunde sozusagen zivilisieren. Sie müssen ihren Hunden beibringen, wie sie sich im Restaurant oder im Bus verhalten sollen. Sie müssen ihren Hunden beibringen, wie hund sich im Auto benehmen soll und dass Jogger keine Jagdbeute sind. Bekommt ein Hund diese Verhaltensregeln nicht von seinem Besitzer beigebracht, wird er in den bestimmten Situationen irgend etwas tun und schauen, wie sein Besitzer reagiert. Nimmt der Hundehalter das Verhalten seines Hundes einfach hin, wird der Hund das als Bestätigung sehen und sich beim nächsten Mal wieder genauso verhalten. Er wurde ja durch Nichts-Tun seines Halters quasi bestätigt das sein Verhalten richtig ist.

Da Hunde immer etwas lernen, ob nun aktiv durch den Hundehalter oder passiv durch Ertragen des Fehlverhaltens, ist es wichtig, dass Hunde möglichst früh erzogen werden. Sie sollten möglichst früh lernen, welches Verhalten erwünscht ist und welches Verhalten unerwünscht ist. Und es ist nie zu spät seinem Hund erwünschtes Verhalten beizubringen!!!

Wenn Sie Interesse an meiner Arbeit haben schicken Sie mir einfach eine Email
 
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